2026 – Möglichst oft unterwegs
2026 – Möglichst oft unterwegs
Mitte Mai ging es los.
Am 14. Mai starteten wir in Strasbourg und fuhren auf dem Canal de la Marne au Rhin Richtung Norden. Über Eckwersheim und Souffelweyersheim führte die erste kleine Runde am 17. Mai wieder zurück nach Strasbourg.
Keine Weltreise.
Aber nach einer längeren Zeit im Hafen braucht es auch keine Weltreise. Es reicht vollkommen, die Leinen loszuwerfen und festzustellen, dass das Schiff noch schwimmt, der Motor läuft und sich Strasbourg langsam hinter einem entfernt.
Eine Woche später wollten wir etwas weiter.
Am 23. Mai verliessen wir Strasbourg erneut. Diesmal war Saverne das Ziel. Über Brumath und Dettwiller-Lupstein ging es in drei Tagen immer weiter nach Westen.
Auf den Fotos dieses Wochenendes ist bereits ziemlich genau zu erkennen, was in den nächsten Monaten unser Schiffsleben bestimmen sollte: ruhiges Wasser, viel Grün und Liegeplätze, bei denen man sich am Abend fragt, warum man eigentlich noch irgendwo anders hinfahren sollte.
Das erste längere Wochenende: von Strasbourg über Brumath und Dettwiller-Lupsein
Juni – jetzt wird es richtige Schifffahrt
Anfang Juni ging es weiter.
Am 5. Juni starteten wir in Saverne. Diesmal lag mit Niderviller ein Ziel vor uns, das deutlich weiter entfernt war als unsere bisherigen Ausflüge.
Und vor allem lag dazwischen einer der interessantesten Abschnitte des Canal de la Marne au Rhin.
Am Morgen des 6. Juni lag Le Coeur de l’Écluse noch friedlich im Wasser. Die Sonne stand tief, der Kanal war ruhig und eigentlich hätte man auch einfach dortbleiben können.
Aber das widerspricht dem Grundprinzip eines Schiffes.
Also Leinen los.
Je weiter wir Richtung Arzviller kamen, desto stärker veränderte sich die Landschaft. Die flache elsässische Ebene blieb zurück. Der Kanal wurde enger, die bewaldeten Hänge rückten näher ans Wasser und irgendwann befanden wir uns mitten in einer Landschaft, die mit den Strecken rund um Strasbourg nur noch wenig gemeinsam hatte.
Und dann kam Arzviller.
Ein Aufzug für Schiffe
Das Schiffshebewerk von Saint-Louis/Arzviller gehört zu den Bauwerken, bei denen man sich fragt, wer irgendwann auf die Idee gekommen ist:
Also fährt Le Coeur de l’Écluse in einen riesigen, mit Wasser gefüllten Trog. Das Tor schliesst sich und anschliessend bewegt sich nicht nur das Schiff, sondern der komplette Trog mitsamt Wasser den Hang hinauf.
Selbst wenn man vorher weiss, wie die Anlage funktioniert, ist es etwas anderes, mit dem eigenen Schiff darin zu stehen.
Ein Fahrstuhl mit etwas grösserer Kabine - das Schiffshebewerk von Arzviller
Damit war der interessante Teil aber noch nicht vorbei.
Auf diesem Abschnitt warten auch die Tunnel von Arzviller und Niderviller.
Ein Tunnel mit dem Auto ist wenig aufregend. Man fährt hinein, macht das Licht an und kurze Zeit später wieder aus.
Mit einem Schiff fühlt sich die Sache etwas anders an.
Vor allem hat man erheblich mehr Zeit darüber nachzudenken, wie breit das eigene Schiff eigentlich ist.
Nach dem Aufzug ging es unter die Erde - auf dem Weg nach Niderviller
Am 7. Juni erreichten wir Niderviller.
Damit lag erstmals in dieser Saison eine Strecke hinter uns, die sich tatsächlich wie eine kleine Reise anfühlte und nicht nur wie ein verlängertes Wochenende vor der Haustür.
Das Problem war nur:
Das Schiff musste irgendwann wieder zurück.
Alles wieder zurück
Knapp zwei Wochen später, am 19. Juni, begann deshalb die Rückfahrt.
Niderviller – Saverne – Brumath – Strasbourg.
Diesmal kannten wir die Strecke bereits. Trotzdem fühlte sie sich nicht einfach wie die Wiederholung der Hinfahrt an.
Die Fotos zeigen weniger technische Sehenswürdigkeiten und mehr das eigentliche Leben unterwegs: Wasser, Wald, Liegeplätze, Morgen- und Abendstimmung.
Am Morgen des 21. Juni lag der Kanal ausgesprochen friedlich vor uns. Abends stand die Sonne tief, die Schatten wurden länger und Le Coeur de l’Écluse lag wieder irgendwo dort, wo für diesen Tag Schluss war.
Irgendwann merkt man:
Das Ziel einer Schiffsreise muss nicht immer eine Stadt sein. Manchmal reicht ein guter Platz für die Nacht.
Die Rückfahrt nach Strasbourg - bekannte Strecke, andere Perspektive
Am 22. Juni waren wir wieder in Strasbourg.
Damit war unsere erste grössere Rundreise komplett:
Strasbourg – Saverne – Arzviller – Niderviller – und wieder zurück.
Spätestens jetzt konnte niemand mehr behaupten, wir hätten ein Schiff nur, um im Hafen darauf Kaffee zu trinken.
Wobei wir das natürlich trotzdem tun.
Juli – es muss nicht immer Niderviller sein
Nach der grösseren Tour im Juni folgte Anfang Juli das Gegenprogramm.
Am 4. Juli fuhren wir nach Souffelweyersheim.
Am 5. Juli wieder zurück.
Die Fotoausbeute der Reise besteht aus genau zwei Bildern.
Das sagt eigentlich alles.
Keine Tunnel. Kein Schiffshebewerk. Keine monumentalen Bauwerke. Kein grosses Reiseprogramm.
Einfach raus aus Strasbourg, ein Stück Kanal und irgendwo festmachen.
Und genau deshalb gehört diese Fahrt genauso zum Jahr wie Niderviller.
Denn ein eigenes Schiff hat gegenüber einer Ferienreise einen entscheidenden Vorteil:
Man muss nicht weit fahren, damit man weg ist.
Manchmal reichen ein paar Kilometer vollkommen
Wir biegen tatsächlich einmal anders ab
Am 23. Juli wurde es dann interessant.
Bis dahin kannte Le Coeur de l’Écluse den Weg Richtung Saverne vermutlich schon selbst.
Diesmal bogen wir anders ab.
Von Strasbourg ging es auf den Canal du Rhône au Rhin, branche Nord, Richtung Illkirch.
Und obwohl Illkirch nun wirklich nicht am anderen Ende Europas liegt, fühlte sich diese Fahrt anders an.
Der Kanal führt durch einen urbaneren Bereich. Häuser, Strassen und Brücken liegen teilweise unmittelbar am Wasser. Vom Schiff aus bekommt die Umgebung eine völlig andere Perspektive.
Eine Brücke, die man im Auto vermutlich nicht einmal bewusst wahrnimmt, wird auf dem Schiff plötzlich zu einem Bauwerk, das man sehr genau betrachtet.
Passt das?
Wie hoch sind wir?
Und vor allem:
Passt das wirklich?
Einmal in die andere Richtung - über den nördlichen Arm des Canal du Rhône au Rhin
Am 25. Juli waren wir wieder in Strasbourg. Nicht besonders weit weg gewesen. Aber wieder etwas Neues kennengelernt.
Brumath – bis zur Brücke
Lange blieb das Schiff nicht im Hafen.
Am 31. Juli ging es wieder los, diesmal Richtung Brumath.
Am 2. August waren wir wieder zurück in Strasbourg.
August – bekannte Wege
Am 22. August zog es uns erneut Richtung Illkirch.
Inzwischen war die Strecke keine Expedition ins Unbekannte mehr. Wir kannten die Schleusen, die Brücken und den Charakter des Kanals.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem aus einem Reiseziel langsam ein vertrautes Revier wird.
Am nächsten Tag ging es zurück Richtung Norden und weiter nach Eckwersheim.
Die Bilder vom 23. August zeigen einen wunderschönen Spätsommertag. Le Coeur de l’Écluse liegt zwischen den grünen Ufern des Canal de la Marne au Rhin.
Am Abend wird es noch schöner.
Die Sonne verschwindet langsam hinter den Bäumen, der Himmel färbt sich warm und auf dem Wasser liegt nur noch das Spiegelbild des Abendlichts.
Keine Sehenswürdigkeit.
Kein Programmpunkt.
Kein Eintritt.
Nur ein Liegeplatz.
Es gibt Liegeplätze, die stehen in keinem Reiseführer. Trotzdem möchte man genau dort bleiben.
Spätsommer auf dem Kanal - und einer dieser Abende, für die man eigentlich gar kein weiteres Programm braucht.
Am 24. August schloss sich der Kreis wieder in Strasbourg.
September – einmal geht noch
Anfang September kam dieses Gefühl auf, das wahrscheinlich jeder Bootsbesitzer kennt:
Die Saison ist eigentlich schon ziemlich weit fortgeschritten.
Aber eigentlich könnten wir doch noch einmal los.
Also los.
Am 5. September starteten wir erneut in Strasbourg. Am folgenden Tag ging es nach Eckwersheim.
Und die Bilder dieser letzten Fahrt gefallen mir gerade deshalb, weil darauf nichts Spektakuläres passiert.
Der Canal de la Marne au Rhin sieht inzwischen vertraut aus. Viel Grün, ruhiges Wasser und Le Coeur de l’Écluse mittendrin.
Natürlich gibt es auch wieder eine Schleuse.
Das Schiff liegt darin, die Leinen sind ausgebracht und der Wasserstand verändert sich.
Im Juni wäre so etwas vielleicht noch ein Ereignis gewesen.
Im September gehört es einfach dazu.
Schleuse rein.
Leine fest.
Warten.
Schleuse raus.
Weiterfahren.
Ein letztes Mal los - Anfang September nach Eckwersheim
Am 7. September waren wir wieder in Strasbourg.
Kein grosses Finale.
Kein Feuerwerk.
Keine Blaskapelle im Hafen.
Einfach festmachen.
Eigentlich passend.
Und was bleibt?
Wenn ich mir am Ende dieser Monate das Fahrtenbuch anschaue, könnte ich natürlich anfangen zu zählen.
29 Fahrtage.
Strasbourg, Eckwersheim, Souffelweyersheim, Brumath, Dettwiller-Lupstein, Saverne, Arzviller, Niderviller und Illkirch.
Hin und zurück.
Schleusen rauf.
Schleusen runter.
Einmal sogar das komplette Schiff im Aufzug.
Aber die Liste erzählt nur einen kleinen Teil der Geschichte.
Wenn ich durch die Fotos gehe, bleiben andere Dinge hängen.
Ein stiller Kanal am Morgen.
Das Schiff irgendwo am Ufer.
Sonnenschirme auf dem Achterdeck.
Eine Wiese direkt neben dem Liegeplatz.
Die bewaldeten Hänge bei Arzviller.
Ein Tunnel, der vom Steuerstand aus deutlich schmaler aussieht, als einem lieb ist.
Der Blick aus dem Schiffshebewerk.
Schleusen.
Noch mehr Schleusen.
Eine Brücke in Brumath, die sehr überzeugend erklären konnte, dass die Reise hier zu Ende ist.
Und diese Abende, an denen Le Coeur de l’Écluse festgemacht am Ufer liegt, die Sonne hinter den Bäumen verschwindet und man eigentlich nirgendwo anders sein möchte.

Vielleicht war genau das unsere wichtigste Erkenntnis in diesem Sommer:
Ein Schiff braucht kein spektakuläres Ziel.
Zehn Kilometer auf dem Wasser können erheblich länger dauern als zehn Kilometer auf der Strasse.
Dafür beschwert sich auf der Strasse niemand, wenn man nach zehn Kilometern einfach anhält, den Sonnenschirm aufspannt und ein Bier öffnet.
Wir haben 2026 keine grosse Reise gemacht.
Wir haben viele kleine gemacht.
Mal ging es nur bis Souffelweyersheim. Mal bis Saverne. Mal nach Illkirch. Und einmal bis Niderviller.
Und manchmal eben nur bis zu einer Brücke.
Wir sind nicht möglichst weit gefahren.
Wir sind möglichst oft gefahren.
Und wenn ich mir die Fotos anschaue, war das ziemlich genau die richtige Entscheidung.
























































