Nach New York liegen sechs Seetage Atlantik vor uns. Klingt nach grosser Freiheit, fühlt sich stellenweise eher nach betreuter Freizeit an. Jedenfalls, wenn man sich das Bordprogramm anschaut. Das ist üppig: Tai-Chi, Cornhole, Line Dance, gemeinsames Singen, Sitzgymnastik, Shuffleboard, Sudoku, Bingo, Zirkeltraining, Jakkolo; und das ist nur die Kurzfassung. Man könnte sich problemlos vom Frühstück bis zum Schlummertrunk durchorganisieren lassen. Ich überlege kurz, ob ich mir einen Tanzkurs antue. Rein präventiv, um bei der Retro Disco Night oder der 70er/80er & Flower Power Party am Abend nicht komplett abgehängt zu werden. Meine Frau hat da durchaus Ansprüche.
Wie so oft siegt dann doch das Bewährte. Nach der Morgenandacht arbeite ich für die St. Niklausen-Schiffgesellschaft – SNG, danach geht’s ins Fitnesscenter. Dort ziehe ich mein Programm durch. Der Ellipsentrainer wird dabei zum Prüfstand: Bei Wellengang 5 und Seestärke 8 hat das Ganze wenig mit Routine zu tun und mehr mit Standvermögen. Wer hier nachlässig wird, merkt es sofort.
Die Kotztüten, die überall hängen, haben ihren Schrecken verloren. Zu Beginn waren sie kaum zu übersehen, inzwischen gehen sie im Gesamtbild unter. Man gewöhnt sich offenbar schneller an den Seegang, als man denkt; oder man schaut einfach konsequent darüber hinweg.


