Die Azoren begrüssen uns nach einer ziemlich ruppigen Atlantiküberquerung am Morgen im Hafen von Praia da Vitória auf Terceira. Endlich wieder fester Boden unter den Füssen und kein Teller mehr, der quer über den Tisch rutscht.
Für heute haben wir uns einen privaten Ausflug organisiert. Miguel wartet bereits vor dem Hafen, und wir stellen erfreut fest: keine Reisegruppe mit Fähnchen, sondern nur wir beide. Beste Voraussetzungen also.
Unser Ziel ist Angra do Heroísmo, die älteste Stadt der Azoren und einst das Herz der Inselwelt. Schon Vasco da Gama macht hier im 15. Jahrhundert Station und erklärt den Hafen kurzerhand zu einem wichtigen Punkt auf der Gewürzroute. Das bringt Wohlstand, prachtvolle Häuser und offenbar genug Selbstbewusstsein, um sich später auch noch mit Spanien anzulegen. Den Zusatz „do Heroísmo“ erhält die Stadt im 19. Jahrhundert für ihren Widerstand gegen die spanischen Truppen.
Heute wirkt Angra allerdings friedlicher. Kein Wunder: Seit 1983 gehört die Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Und das völlig zu Recht. Pastellfarbene Häuser, hübsche Plätze, Kirchen und gepflegte Gassen laden eher zum Flanieren als zum Kämpfen ein. Im botanischen Garten zwitschert es aus allen Richtungen, und Miguel öffnet uns sogar Türen, die den meisten Besuchern verschlossen bleiben: das Parlamentsgebäude mit seinem prächtigen Festsaal und das Gouverneurshaus.
Ganz nebenbei erfahren wir auch einiges über die Eigenheiten Terceiras. Besonders stolz ist man auf die Festa do Santo Espírito. Ein religiöses Fest, bei dem es erstaunlich temperamentvoll zugeht, denn dabei werden tatsächlich Stiere durch die Strassen getrieben. Wer genug Mut oder zu wenig Selbsterhaltungstrieb besitzt, rennt einfach mit.
Heute bleiben die Stiere glücklicherweise im Stall. So geniessen wir Angra ganz entspannt und kehren am Abend mit vielen schönen Eindrücken zurück auf die MS Artania.


