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Das Musée de l’Armée befindet sich im Hôtel national des Invalides und zählt zu den bedeutendsten militärhistorischen Museen der Welt. Der Gebäudekomplex wurde 1670 von Ludwig XIV. gestiftet und 1674 eröffnet. Er diente als Hospital, Altersheim, Kaserne und Werkstätte für verwundete oder dienstunfähige Soldaten. Noch heute erfüllt ein Teil der Invaliden seine ursprüngliche Aufgabe als Betreuungseinrichtung für französische Kriegsveteranen.
Das Museum entstand 1905 durch die Vereinigung des älteren Musée d’Artillerie mit dem 1896 gegründeten Musée historique de l’Armée. Seine Bestände wurden durch staatliche Sammlungen, Beutestücke, Schenkungen und persönliche Nachlässe aufgebaut. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurden Teile der Sammlung geplündert; nach 1945 konnten zahlreiche Objekte aus Deutschland zurückgebracht werden. Heute besitzt das Museum annähernd 500.000 Exponate aus der Zeit von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart.
Die ältesten Abteilungen zeigen mittelalterliche Waffen, Turnierrüstungen und Prunkharnische europäischer Herrscher. Es folgen Sammlungen zur Armee Ludwigs XIV., zu den Revolutionskriegen und zur napoleonischen Epoche. Uniformen, Fahnen, Geschütze, Gemälde und persönliche Gegenstände veranschaulichen dabei nicht nur die technische Entwicklung der Bewaffnung, sondern auch die politische Bedeutung des Militärs für die Entstehung des französischen Staates.
Einen umfangreichen Bereich bilden die Jahre 1871 bis 1945. Rund tausend Ausstellungsstücke dokumentieren den Deutsch-Französischen Krieg, die französische Kolonialexpansion und beide Weltkriege. Der Rundgang zum Zweiten Weltkrieg behandelt die Niederlage Frankreichs 1940, deutsche Besatzung und Vichy-Regime, die Résistance, de Gaulles Freie Französische Streitkräfte, die alliierten Landungen sowie die Befreiung Frankreichs und die Entdeckung der Konzentrations- und Vernichtungslager. Französische und ausländische Uniformen, Waffen, Karten, Feldpostbriefe und Alltagsgegenstände verbinden die militärischen Operationen mit den Erfahrungen der Soldaten und Zivilisten.
Zum Museumskomplex gehört auch der weithin sichtbare Invalidendom. Unter seiner goldenen Kuppel befindet sich seit 1861 das monumentale Grabmal Napoleons I. Weitere Grabstätten erinnern unter anderem an Vauban, Turenne, Marschall Foch und Marschall Lyautey. Die benachbarte Kirche Saint-Louis des Invalides dient heute als Kathedrale der französischen Streitkräfte.
Im Hôtel des Invalides befinden sich ausserdem das Musée de l’Ordre de la Libération, das besonders dem französischen Widerstand und der Befreiung gewidmet ist, sowie das Musée des Plans-Reliefs mit historischen Festungsmodellen. Dadurch verbindet der Ort Militärmuseum, Veteraneneinrichtung, nationales Pantheon und staatlichen Erinnerungsort. Für eine vollständige Besichtigung sollte wegen der Grösse der Sammlungen erheblich mehr Zeit als für ein gewöhnliches Museum eingeplant werden.

