Der Tag beginnt mit einem kleinen Bürokratie-Abenteuer namens „Einreise in die USA“. Dafür müssen alle Passagiere das Schiff verlassen – geschlossen, kollektiv, kompromisslos – und dürfen erst wieder zurück, wenn wirklich jede einzelne Seele durch die Kontrolle geschleust ist. Effizienz auf amerikanisch: Wir verbringen den Vormittag also gemeinsam im Cruise-Terminal und üben uns in Geduld. Solche perfekt organisierten Leerläufe gibt es wohl nur hier.
Am Nachmittag dann endlich Natur statt Formularwesen: Es geht in die Everglades, ein subtropisches Feuchtgebiet und UNESCO-Weltnaturerbe. Alligatoren, Fische, Schildkröten, Vögel. Hier kreucht und fleucht so ziemlich alles, was Flossen, Panzer oder Federn hat.
Bevor wir uns in die lauten, rückenfeindlichen Luftpropellerboote setzen, gibt es erst mal frisch geschnittene Früchte. Während wir geniessen, stolziert in der Nähe ein Pfau vorbei. Sein imposantes Schwanzgefieder deutet an, was er draufhat; wenn er denn will. Unser Guide erklärt trocken, dass er das berühmte Pfauenrad nur für Damen auffächert. Kaum ausgesprochen, tauchen zwei Pfauendamen auf, eskortiert von einem männlichen Rivalen. Und zack: Unser Pfau liefert eine perfekte Vorstellung.
Dann besteigen wir das Boot. Der Guide warnt noch vorsichtig, er könne nicht garantieren, dass wir Tiere sehen. Die seien schliesslich wild und hätten keinen Terminkalender. Für uns völlig unnötig: Kaum unterwegs, entdecken wir Alligatoren, Schildkröten, farbenprächtige Vögel und gleiten durch dichte Mangrovenlandschaften.
Am Ende ein rundum gelungener Tag: viel Natur, viele Tiere und definitiv weniger Warteschlangen als am Morgen. Genau dafür sind wir schliesslich hier.


