Die morgendliche Einfahrt nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, oder wie man hier lieber sagt: dem Ende der Welt, ist einmal mehr eindrücklich. Zwischen Bergen und Nebel gleiten wir in den Hafen und machen neben einem Versorgungsschiff der argentinischen Marine fest. Dort herrscht auffallende Betriebsamkeit: Es wird geputzt und poliert, als stünde eine Flottenparade bevor. Offenbar ist hoher Besuch angekündigt.
Ein Spaziergang durch die farbenfrohe Stadt führt uns auch zur südlichsten Kirche der Welt – logisch. Wenn man schon am Ende der Welt ist, will man schliesslich auch beim Beten geografische Rekorde halten. Heute ist es angenehm ruhig, wir sind das einzige Kreuzfahrtschiff im Hafen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was hier passiert, wenn sieben dieser schwimmenden Kleinstädte gleichzeitig einfallen.
Ein kurzer Besuch auf der Brücke beim Kapitän zeigt, warum seine Uniform so bewundert wird. Sein Arbeitsplatz kann da allerdings problemlos mithalten.
Der Nachmittag gehört dem gepflegten Massentourismus: 280 Passagiere, verteilt auf sieben Busse, fahren zu einem Bergsee. Den sehen wir wegen Nebels zwar nicht, aber dafür bleibt Zeit zum Rechnen: 280 Personen mal 89 Euro ergeben 24’920 Euro. Da dieselbe Tour schon am Morgen stattfand, sind es am Ende fast 50’000 Euro Umsatz für zweimal vier Stunden Busfahrt. Ich überlege kurz, ob ich ins Reedereigeschäft einsteigen sollte. Man braucht offenbar nur Busse, Nebel und einen See.
Zurück an Bord erleben wir noch den Empfang auf dem Marineschiff. Die Mannschaft steht in Reih und Glied an Deck und versucht in Galauniform möglichst stramm auszusehen. Einige wirken dabei so beweglich wie frisch gegossene Poller.
Am Abend heisst es wieder: Leinen los. Kurs Süd – Richtung Kap Hoorn.


