Es gibt normale und besondere Seetage. An normalen Seetagen läuft alles in gewohnten Bahnen mit Morgenandacht, Vortrag, Jakkolo, Bingo und Line-Dance. Und dann gibt es Tage wie heute: Wir überqueren den Äquator, und der Meeresgott Neptun kommt höchstpersönlich an Bord.
Um 11.00 Uhr versammelt sich eine grosse Menschenmenge auf dem Lido-Deck. Viele Passagiere stehen bereits im Badeanzug Schlange, während Neptun mit Walleperücke und Dreizack seinen Tribut fordert. Der kurzerhand gefangengenommene Kapitän verspricht ihm die einzigen zwei Jungfrauen an Bord. Damit ist Neptun zufrieden und die Taufe kann beginnen.
Nach dem obligatorischen Fischkuss werden die Täuflinge mit Farbe eingeschmiert und springen anschliessend in den Pool. Nachdem gefühlt hundert bunt bemalte Passagiere ihre Farbe dort wieder abgewaschen haben, muss der Pool erst einmal für zwei Tage gereinigt und neu befüllt werden, damit beim nächsten Gala-Dinner niemand mit Restfarbe erscheint.
Uns macht es grossen Spass, das Spektakel aus sicherer Entfernung zu beobachten. Wir verbringen stattdessen lieber einen ruhigen Tag am Bug.


