Tag 44-45 | 06.-07.04.2026 | Roatán: Landgang ins Kreuzfahrt-Armageddon

07.04.2026 | Reiseberichte 2026, Weltentdeckungsreise 2026

Ein weiterer Seetag schiebt uns gemütlich von Costa Rica an Nicaragua vorbei Richtung Honduras. Klingt nach Postkartenidylle, Ziel: die Islas de la Bahía, genauer gesagt Roatán. Palmen, türkisfarbenes Wasser, barfuss durch den Sand – so die Theorie.

Die Praxis liefert… Armageddon.

Eigentlich haben wir einen privaten Ausflug gebucht. Dann meldet sich der Kapitän mit der beiläufigen Info, dass wir heute nicht allein sind. Drei weitere Kreuzfahrtschiffe liegen bereits am Pier. Wir schauen uns an, schauen aufs Wasser – und stornieren. Landgang? Vielleicht später. Vielleicht auch nie.

Ein kurzer Realitätscheck in Zahlen (Gesamtkapazität inkl. Crew):

  • Icon of the Seas: 9’950 Personen
  • Mardi Gras: 8’500 Personen
  • Norwegian Luna: 5’170 Personen
  • MS Artania: 1’800 Personen

Macht zusammen: 25’420 Menschen. Selbst wenn man grosszügig einen Viertel an Bord lässt, bleiben über 19’000 Menschen, die die Insel überrollen.

Damit niemand vom echten Roatán irritiert wird, hat man vorsorglich ein eigenes Paralleluniversum gebaut: ein künstliches Kreuzfahrtdorf im Freizeitparkstil. Hier gibt es alles, was man braucht, um ja nicht mit der Realität in Kontakt zu kommen: Rolltreppen, künstliche Strände, standardisierte Bars und Shoppingtempel, die aussehen wie überall; nur mit Palmen-Deko.

Die Insel selbst? Statistin im eigenen Stück.

Zurück auf den Schiffen wartet dann das eigentliche Programm: Auf der Norwegian Luna dreht eine Achterbahn ihre Runden. Auf der Icon of the Seas stürzen Wasserrutschen ineinander wie ein überdimensionierter Aquapark. Dazu Dauerbeschallung, die selbst über die Bucht hinweg noch dröhnt.

Diese Schiffe sind keine Fortbewegungsmittel mehr. Es sind geschlossene Systeme, schwimmende Freizeitparks, irgendwo zwischen Europa-Park und Disneyland; nur dass die Kulisse echt wäre, wenn man sie denn noch sehen würde.

Und während draussen eine der schönsten Inseln der Karibik liegt, entscheidet sich ein Grossteil dafür, lieber im klimatisierten Paralleluniversum zu bleiben.

Man könnte fast meinen, das Ziel der Reise sei gar nicht mehr die Welt. Sondern ihre möglichst perfekte Ausblendung.

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