Jamaika: Reggae, Rum und über allem eine Marihuana-Rauchwolke. Genau so stelle ich mir die Insel vor. Geführte Touren zu den üblichen Touristen-Hotspots lassen wir auch heute links liegen und lassen uns stattdessen mit dem Taxi direkt ins Zentrum von Montego Bay bringen.
Die Hauptstrasse entlang des Meeres entpuppt sich allerdings als endlose Parade von Souvenirläden. Davor Personal, das so aufdringlich ist, dass man meint, es wolle einen gleich adoptieren; hinterherlaufen und lautstarkes Einreden inklusive. Abgesehen davon zeigt sich die Stadt herrlich bunt, und an fast jeder Hauswand lächeln die inselheiligen Reggae-Ikonen herab.
Wer einen gepflegten Strand sucht, muss tief in die Tasche greifen: Mit Liegestuhl und Sonnenschirm sind schnell 30 Dollar fällig. Wir überlassen dieses Vergnügen der grossen Masse und ziehen weiter. Nach einer halben Stunde Fussmarsch in sengender Hitze entdecken wir einen öffentlichen Park mit Strand. Gut bewacht, gepflegt und kostenlos. Als einzige Bleichgesichter fallen wir zwar etwas auf, doch genau hier stellt sich das jamaikanische Lebensgefühl ein, das zwischen den Souvenirläden gefehlt hat.
Den Mittag verbringen wir schliesslich in einem wunderbaren Restaurant direkt am Meer, mit Blick auf das Wasser und der Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben.
Zurück an Bord erwartet uns dann eine ganz andere Dimension: Die MS Artania wird mit Diesel betankt. Etwas verwundert rechne ich nach. Vor rund drei Wochen haben wir 800’000 Liter gebunkert, heute kommen weitere 550’000 Liter per Tanklastwagen hinzu. Laut Kapitän reicht das bis New York, wo für die Atlantiküberquerung erneut vollgetankt werden muss. Ich zögere kurz, rechne dann aber doch weiter: Pro Stunde verbraucht die Artania etwa 6 bis 8 Tonnen Diesel; also ungefähr so viel, wie wir mit unserer Le Coeur de l’Écluse in zehn Jahren verfeuert haben. Da bekommt der Begriff „grosse Fahrt“ eine ganz neue Bedeutung.


