Tag 5 / 23.07.2025 Nancy – Pompey

23.07.2025 | Sommerreise 2025, Reiseberichte 2025

Motorstunden 2,3 / Fahrkilometer: 11,62 / Schleusen: 2 / Hebebrücken: 2

Logbucheintrag: Französisch halt…

Der Hafen von Nancy liegt zwar mitten in der Stadt – aber das merkt man vor allem daran, dass sich hier mehr Wohnmobile als Boote tummeln. Die Marina scheint neuerdings eher als Campingplatz zweiter Ordnung zu fungieren. Immerhin: Die Capitainerie ist besetzt, zwei Personen sitzen dort und… warten. Bezahlen kann man dort aber nicht mehr – das macht jetzt ein hochmoderner Automat draussen. Natürlich ist das so effizient organisiert, dass die Dame vom Büro jedes Mal mit rauskommen muss, um das Ding zu erklären. Der Vorgang dauert doppelt so lange wie früher – ein wahres Paradebeispiel für fortschrittliche Digitalisierung. Französisch halt…

Nach einer idyllischen Fahrt durch die Vororte von Nancy (inklusive einiger Schwenker um Fischer und quer liegende Bäume) biegen wir bei Schleuse Nr. 27 in die Mosel ein. Bei Pompey entdecken wir einen imposanten Anleger, der förmlich nach uns ruft. Laut Tafel gibt’s hier Strom und Wasser – gegen Bezahlung am Automaten. Der Haken? Die Anschlüsse wurden offenbar schon vor Jahren abmontiert, der Automat sieht aus wie ein museales Ausstellungsstück aus der Frühzeit der Elektronik. Aber – immerhin ist das Design identisch mit dem Automaten in Nancy! Es lebe die Standardisierung. Französisch halt…

Nachmittags schwingen wir uns aufs Fahrrad und strampeln nach Liverdun, ein charmantes Dörfchen auf einem Felsen über dem Moseltal. Postkartenblick garantiert. Besonders spannend: der alte Verlauf des Rhein-Marne-Kanals. Früher schlängelte er sich mit Tunnel, Kanalbrücke und mehreren Schleusen spektakulär durch das Tal – heute ist das alles stillgelegt. Der Tunnel steht noch, von der Brücke nur noch ein Pfeiler – der Rest ist Historie. Das nennt man dann wohl französische Effizienz: Infrastruktur mit Stil verfallen lassen. Französisch halt…

Fazit des Tages: Frankreich ist und bleibt ein Erlebnis – irgendwo zwischen malerischer Nostalgie und eigenartigem Verwaltungsirrsinn. Aber genau deshalb lieben wir es ja. Irgendwie.

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