(F) Compiègne 27.07.2009

27.07.2009 | Bunker

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Die Clairière de l’Armistice liegt im Wald von Compiègne, nahe Rethondes. Der abgelegene Ort wurde 1918 ausgewählt, damit die Waffenstillstandsverhandlungen zwischen den Alliierten und dem Deutschen Reich ungestört und ohne öffentliches Schauspiel stattfinden konnten. Als Verhandlungsraum diente der zum Büro umgebaute Speisewagen 2419D aus dem Zug des französischen Marschalls Ferdinand Foch.

Am frühen Morgen des 11. November 1918 unterzeichneten die Delegationen im Eisenbahnwagen den Waffenstillstand. Sechs Stunden später, um 11 Uhr, endeten die Kampfhandlungen an der Westfront. Damit war der Erste Weltkrieg militärisch weitgehend beendet; der formelle Friedensschluss folgte 1919 mit dem Versailler Vertrag.

Nach dem Krieg wurde der historische Wagen zunächst in Paris ausgestellt und 1927 in die eigens gestaltete Lichtung von Compiègne zurückgebracht. Dort entstand eine nationale französische Gedenkstätte mit dem Foch-Denkmal, einem Erinnerungsstein und einem monumentalen Relief, das den zurückgewonnenen Elsass-Lothringen gewidmet war.

Nach der französischen Niederlage im Juni 1940 liess Adolf Hitler den Originalwagen wieder an genau jene Stelle bringen, an der er 1918 gestanden hatte. Am 22. Juni 1940 musste die französische Delegation dort den deutsch-französischen Waffenstillstand unterzeichnen. Die Wahl des Ortes war bewusst als Revanche für die deutsche Niederlage von 1918 inszeniert. Anschliessend liess Hitler die Gedenkstätte weitgehend zerstören und den Wagen als Kriegstrophäe nach Deutschland bringen. Er verbrannte 1945 in Thüringen.

Das heutige Musée de l’Armistice wurde 1950 eröffnet. Sein wichtigstes Ausstellungsstück ist der Wagen 2439D, ein Fahrzeug aus derselben Bauserie wie das verlorene Original. Er wurde entsprechend dem Zustand von 1918 eingerichtet und enthält einen grossen Teil der ursprünglichen Möbel. Namensschilder zeigen, wo Foch und die deutschen beziehungsweise alliierten Vertreter während der Verhandlungen sassen.

Die Ausstellung behandelt beide Weltkriege, die Waffenstillstände von 1918 und 1940 sowie die Geschichte der Gedenkstätte. Zu sehen sind Dokumente, Modelle, Uniformen und Erinnerungsstücke. Besonders umfangreich ist die Sammlung von über 800 stereoskopischen Fotografien, die Frontalltag, Zerstörungen und Lebensbedingungen während des Ersten Weltkriegs dreidimensional veranschaulichen.

Ein zweiter bedeutender Erinnerungsort in Compiègne ist das ehemalige Internierungs- und Durchgangslager Royallieu. Von 1941 bis 1944 wurden dort rund 50.000 Widerstandskämpfer, politische Gefangene, Juden und weitere Verfolgte festgehalten; viele wurden anschliessend in nationalsozialistische Konzentrationslager deportiert. Heute dokumentiert das Mémorial de l’internement et de la déportation diese Geschichte in drei erhaltenen Lagergebäuden.

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