Esmeralda – was für ein schöner, vielversprechender Name. Am Morgen laufen wir im gleichnamigen Hafen ein und werden empfangen, als wären wir ein Weltwunder. Der Grund: Wir sind seit acht Jahren das erste Kreuzfahrtschiff, das hier anlegt. Die Gegend gilt als unsicher, keine Reederei wollte das Risiko eingehen. Entsprechend gross ist der Empfang: Bürgermeister, Kulturministerin, Tanzgruppe sowie gefühlt die gesamte Polizei, das Militär und zur Sicherheit auch noch die Feuerwehr in Galauniform.
Beim Von-Bord-Gehen geraten wir direkt in ein Meer aus Kameras und Mikrofonen. Dieses Ereignis soll touristisch vermarktet werden. Wir kommen uns ein bisschen vor wie Affen im Zoo. Eine seltene Spezies verlässt ihr grosses Schiff.
Bevor unser Bus losfährt, wird erst einmal ein Konvoi aus Militär und Polizei organisiert. Schwer bewaffnet begleiten sie uns während des gesamten Ausflugs. Wir wollen lieber gar nicht so genau wissen, was sich vielleicht hundert Meter abseits der Strasse verbirgt.
Nach gut einer halben Stunde erreichen wir den Aussichtspunkt Río Verde: Pazifikblick, Flussidylle und eine Portion Geschichte über die afro-ecuadorianische Kultur.
Weiter geht es nach Vuelta Larga. Bei einer gemütlichen Bootsfahrt fahren wir durch die Mangrovenwälder, beobachten Tiere und lernen anschliessend bei einer Kochvorführung alles über „Verde“, die grüne Kochbanane.
Zurück am Schiff glauben wir unseren Augen kaum: Das halbe Dorf steht auf dem Pier, die Dorfkapelle spielt, Kinder laufen herum, überall wird gewunken und gelacht. Dann merken wir: Die Einheimischen machen Fotos von uns, von den Touristen. Verkehrte Welt. Normalerweise fotografieren wir Einheimische. Heute sind wir die Attraktion. Menschen posieren vor, neben und mit uns. Wir fühlen uns endgültig wie eine seltene Tierart auf Landgang. Nur dass diesmal wir die Sehenswürdigkeit sind.


