Tag 46-47 | 08.-09.04.2026 | Zwischen Wellblech und Champagner

09.04.2026 | Reiseberichte 2026, Weltentdeckungsreise 2026

Zum zweiten Mal auf dieser Reise läuft unser Schiff einen Hafen an, in dem es zuvor noch nie gelegen hat. Santo Tomás de Castilla (Guatemala) dient vor allem als Ausgangspunkt für Ausflüge ins Landesinnere. Entweder per Inlandsflug oder nach fünf Stunden Busfahrt. Beides lassen wir aus und erkunden stattdessen die „Stadt“ auf eigene Faust. Vor dem Pier warten Taxis mit Preisen zwischen 10 und 50 Dollar; der dritte Fahrer bringt uns schliesslich für faire 15 Dollar ins Zentrum.

Wobei „Zentrum“ ein sehr grosszügiger Begriff ist. Aneinandergereihte Holz- und Backsteinhütten prägen das Bild, davor sitzen Menschen, die uns neugierig mustern. Touristen scheinen hier Seltenheitswert zu haben. Wir fühlen uns zwar sicher, doch ein leises Unbehagen bleibt: Es ist ein seltsames Gefühl, dieses Elend zu betrachten, während nur eine halbe Stunde entfernt unser schwimmendes Schlaraffenland wartet. Wirklich reibungslos zu funktionieren, scheint hier nur der riesige Hafen, in dem gefühlt ausschliesslich Chiquita-Bananen verladen werden.

Unser Landgang fällt entsprechend kurz aus; für den Rückweg zahlen wir diesmal 25 Dollar. Die Eindrücke beschäftigen uns noch eine Weile, verblassen jedoch spätestens beim abendlichen Fünf-Gänge-Menü an Bord.

Der folgende Tag ist ein klassischer Seetag: karibisches Bilderbuchwetter, ruhige See und ein nur zu etwa drei Vierteln belegtes Schiff. Die rund 800 Gäste verteilen sich angenehm, sodass nie das Gefühl eines überfüllten Kreuzfahrtriesen entsteht.

Elend und Luxus liegen auf dieser Reise erschreckend nah beieinander. Eine Erfahrung, die vor allem Respekt und Demut verlangt.

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