Für weitere Bilder oben klicken
Die Batterie Todt liegt bei Haringzelles südlich des Cap Gris-Nez, an der engsten Stelle des Ärmelkanals. Die englische Küste bei Dover ist dort nur rund 30 Kilometer entfernt. Aufgrund dieser Lage errichtete die deutsche Kriegsmarine nach der Besetzung Nordfrankreichs 1940 mehrere schwere Küstenbatterien, mit denen sie den Schiffsverkehr im Kanal kontrollieren und Ziele in Südengland beschiessen wollte.
Die Bauarbeiten begannen im Sommer 1940 im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für das geplante Unternehmen „Seelöwe“, die Invasion Grossbritanniens. Zunächst standen die Geschütze auf offenen Bettungen. Ab 1941 entstanden vier gewaltige Stahlbetonkasematten, die Anfang 1942 fertiggestellt waren. Die Bauleitung lag bei der Organisation Todt, die für zahlreiche militärische Grossprojekte des NS-Regimes verantwortlich war und in den besetzten Ländern in grossem Umfang auf zwangsverpflichtete Arbeitskräfte zurückgriff.
Die Batterie war mit vier 38-cm-Schnellladekanonen SK C/34 von Krupp ausgerüstet. Dieser Geschütztyp ähnelte der Hauptartillerie der deutschen Schlachtschiffe Bismarck und Tirpitz. Die etwa 800 Kilogramm schweren Standardgranaten erreichten ungefähr 42 Kilometer. Mit leichteren „Siegfriedgranaten“ und einer verstärkten Treibladung war theoretisch eine Reichweite von mehr als 55 Kilometern möglich. Damit lagen Dover und weitere Ziele an der südenglischen Küste im Schussbereich.
Jedes Geschütz befand sich auf einer drehbaren, gepanzerten Lafette in einer eigenen Kasematte. Die Bunker waren ungefähr 47 Meter lang, 29 Meter breit und 20 Meter hoch; etwa acht Meter lagen unter der Erde. Decken und Aussenwände waren bis zu 3,5 Meter stark. Unterhalb der Geschützebene befanden sich Munitionsräume, Maschinenanlagen sowie Arbeits- und Aufenthaltsräume für die Besatzung. Ergänzt wurde die Stellung durch Flugabwehrkanonen, Panzerabwehrwaffen, Maschinengewehrstände, „Tobruk“-Bunker, Unterkünfte und einen Feuerleitstand.
Die Anlage hiess zunächst „Batterie Siegfried“. Nach dem Tod des NS-Rüstungsministers und Gründers der Organisation Todt, Fritz Todt, bei einem Flugzeugabsturz am 8. Februar 1942 wurde sie nach ihm benannt. Am 10. Februar erfolgte die offizielle Einweihung in Anwesenheit der Admirale Erich Raeder und Karl Dönitz.
Bereits zwei Tage später kam die Batterie beim Unternehmen „Cerberus“ zum Einsatz. Die deutschen Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau sowie der schwere Kreuzer Prinz Eugen durchquerten den Ärmelkanal von Brest in Richtung Deutschland. Die Batterie Todt führte Gegenfeuer gegen britische Küstengeschütze, um den Durchbruch der Schiffe zu unterstützen.
In den folgenden Jahren beschoss die Stellung wiederholt die englische Küste und feuerte auf Schiffsziele im Kanal. Ihre militärische Wirkung blieb jedoch begrenzt: Bewegliche Schiffe waren auf grosse Entfernung schwer zu treffen. Zugleich wurde das gesamte Gebiet auf beiden Seiten des Kanals regelmässig von schwerer Artillerie beschossen. Nach Aufgabe der Invasionspläne wurde die Batterie in den Atlantikwall einbezogen und sollte eine alliierte Landung im Pas-de-Calais verhindern.
Nach der alliierten Landung in der Normandie nahm ihre Feueraktivität wieder zu. Im September 1944 rückte die 3. Kanadische Infanteriedivision gegen die Kanalhäfen und die Stellungen am Cap Gris-Nez vor. Vor dem Bodenangriff wurde das Gebiet massiv aus der Luft und durch Artillerie bombardiert. Am Morgen des 29. September griff die kanadische 9. Infanteriebrigade an; die North Nova Scotia Highlanders erhielten den Auftrag, die Batterie Todt einzunehmen.
Die schweren Kasematten widerstanden den Bomben weitgehend, waren aber gegen einen Angriff von der Landseite nur unzureichend vorbereitet. Kanadische Soldaten erreichten die Bunker und zwangen deren Besatzungen zur Aufgabe. Gegen 10.30 Uhr erschienen die ersten weissen Fahnen. Ein Geschütz feuerte noch, als sich kanadische Infanteristen bereits auf dem Dach seiner Kasematte befanden. Mit der Einnahme endete der deutsche Artilleriebeschuss der englischen Küste von Cap Gris-Nez.
Nach dem Krieg wurden die Geschütze entfernt und die Bunker teilweise aufgegeben. In einer Kasematte befindet sich seit 1972 das Musée du Mur de l’Atlantique. Es zeigt Waffen, Uniformen, Munition, technische Einrichtungen und den Alltag der deutschen Besatzung. Vor dem Museum steht ein seltenes deutsches 28-cm-Eisenbahngeschütz K5(E). Dieses gehörte nicht zur ursprünglichen Bewaffnung der Batterie, verdeutlicht aber die Dimensionen der deutschen Fernartillerie.

