Für weitere Bilder oben klicken
Die Feste Kaiser Wilhelm II., heute Fort de Mutzig genannt, wurde zwischen 1893 und 1916 vom Deutschen Kaiserreich im damals deutschen Elsass errichtet. Sie sollte das Breuschtal sperren, den Eisenbahnknoten Molsheim schützen und einen französischen Vormarsch auf Strassburg und in die Rheinebene verhindern.
Die Anlage markierte einen Wendepunkt im europäischen Festungsbau. Sie war eine der ersten vollständig betonierten, gepanzerten, elektrisch beleuchteten und künstlich belüfteten Festungen. Ihre einzelnen Batterien, Kasernen und Infanteriestellungen lagen über das Gelände verteilt und waren teilweise durch unterirdische Gänge verbunden. Dieses Konzept beeinflusste spätere deutsche Festungsanlagen und indirekt auch die französische Maginot-Linie.
Im Jahr 1914 umfasste die Feste:
-
rund 254 Hektar Fläche
-
ungefähr 40.000 Quadratmeter unterirdische Räume
-
etwa 50 Einzelbauwerke
-
22 Geschütze der Kaliber 10 und 15 Zentimeter
-
Unterkünfte für ungefähr 6.500 Soldaten
Hinzu kamen Maschinengewehrstellungen, gepanzerte Beobachtungsposten, eigene Kraftwerke, Brunnen, Küchen, Bäckereien und ein Lazarett. Damit gehörte Mutzig zu den grössten und modernsten Festungsanlagen Europas.
Ihr einziger grösserer Einsatz im Ersten Weltkrieg erfolgte am 18. August 1914. Eine Batterie feuerte 291 Granaten auf französische Truppen bei Urmatt. Danach wurde die Festung nicht mehr unmittelbar angegriffen. 1917 entfernte man einen Teil der Geschütze und brachte sie an die Front. Nach dem Waffenstillstand von 1918 übernahm Frankreich die unbeschädigte Anlage und bezeichnete sie als „Position de Mutzig“.
Im Juni 1940 räumten französische Truppen die Festung und machten zahlreiche Geschütze unbrauchbar. Kurz nach der deutschen Besetzung griffen Stukas die Anlage irrtümlich an und töteten mehr als 70 deutsche Soldaten. Im November 1944 wurde Mutzig von der 3. US-Infanterie-Division eingeschlossen. Die schwache deutsche Besatzung kapitulierte am 5. Dezember 1944.
Seit 1984 wird ein Teil der aussergewöhnlich gut erhaltenen Festung durch französische und deutsche Freiwillige restauriert. Sie ist heute Museum und Symbol der deutsch-französischen Versöhnung.

