Gegen Mittag holt uns erneut unser Chauffeur ab. Dieses Mal mit Ziel Hafen. Bis dahin bleibt genug Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Copacabana. Objektiv gibt es sicher Strände mit türkisblauerem Wasser und weniger Hochhauskulisse. Aber nun ja: Es ist die Copacabana. Die muss man gut finden, schon aus Respekt vor ihrem Ruf.
Schon von Weitem taucht unser Schiff auf, die MS Artania, und wirkt angenehm überschaubar statt schwimmender Kleinstadt. Da wir individuell angereist sind, geht das Einchecken erfreulich schnell — allerdings nicht ganz ohne Drama.
Kurz vor dem Boarding stellt Monika fest, dass ihr Reiserucksack noch im Auto liegt. Was folgt, ist eine Szene, die jeder Ehemann sofort erkennt: schlagartig erhöhte Lautstärke, hektisches Taschenkontrollieren und das diffuse Gefühl, man selbst sei irgendwie mitverantwortlich. Gefühlt wird das halbe Bordpersonal mobilisiert. Und tatsächlich, nach kurzer Zeit erscheint der Chauffeur wieder, den vermissten Schatz in der Hand. Das anschliessende Trinkgeld war weniger grosszügig als vielmehr gerecht.
An Bord beziehen wir unsere Kabine auf Deck 6 von 9: erste Balkonreihe Richtung Bug, also Premiumlage mit Aussicht. Nach einer ersten Erkundungstour, solidem Nachtessen und einem pflichtbewussten Besuch an der Bar sinken wir schliesslich in die Kojen.
Vor dem Einschlafen sprechen wir dann doch aus, was längst klar ist: Mit unseren bald 60 Jahren gehören wir hier zur Nachwuchsabteilung.
Na dann, gute Nacht.


