Im Reiseprogramm stehen für diese zwei Tage verheissungsvoll die Worte „Urlaub auf See“. Endlich Zeit, das Schiff in all seinen Facetten zu erkunden: Fitness, Spa, Pool, Vorträge, Bibliothek, Kino. Und selbstverständlich Restaurants und Bars. Alles streng im Dienste der Erholung.
Leider beschloss der Atlantik, das Unterhaltungsprogramm zu übernehmen. Bei kräftigem Wind und ordentlichem Seegang schaukelte das Schiff mit bemerkenswerter Hingabe. Besonders unsere Kabine ganz vorne auf Deck 6 entpuppte sich als Logenplatz im Wellenkino. Dort, wo das Schiff am lebhaftesten nickt, rollt und tanzt. Mir wurde dabei so übel, dass an Urlaub nicht mehr zu denken war.
Also verlegte ich meinen Aufenthaltsort einige Etagen tiefer ins Mittschiff, wo die Lage deutlich stabiler ist. Glücklicherweise befindet sich dort auch eine Bar, die ich aus rein therapeutischen Gründen regelmässig aufsuchen musste.
Da dieser Zustand kaum zwei Monate durchzuhalten gewesen wäre, führte mein Weg nach zwei Tagen schliesslich ins Bordlazarett. Diagnose: seekrank. Behandlung: eine Spritze. Nun bleibt abzuwarten, ob daraus doch noch „Urlaub auf See“ wird, oder weiterhin „Seefahrt mit Nebenwirkungen“.


