Überführungsfahrt. Klingt nach Zahnarzttermin

26.05.2025 | Reiseberichte 2025

70 Kilometer, 36 Schleusen und ein eng getakteter Zeitplan: Samstag bis Mittwoch – Hin- und Rückreise in die Schweiz inklusive. Wenn man ehrlich rechnet, bleiben drei Tage auf dem Wasser. Klingt erstmal nach einem sportlichen Projekt mit Potenzial zur Erschöpfung. –  Es wurde ganz anders.

Tatsächlich flutsche ich durch die Schleusen, als hätten sie sich den ganzen Winter nur auf mich gefreut. Wer aufmerksam liest, merkt: Ich schreibe in der Ich-Form. Das liegt daran, dass ich solo unterwegs bin – Einhandfahrer nennt sich das in der Fachsprache, in der Realität bedeutet es: einhändig schleusen, anlegen, festmachen und Kaffee kochen. Multitasking auf schwankendem Grund.

Und weil’s noch nicht abenteuerlich genug ist, wartet nach jeder Tagesetappe das Fahrrad auf mich. Denn das Auto, das am Ziel stehen muss, fährt sich ja nicht von selbst dorthin. Also: Schiff festmachen, in die Pedale treten, 30 Kilometer retour radeln, Auto nachholen. Das alles mit einem Lächeln – na gut, sagen wir mit einem Apéro als Rüebli (für die Deutschen Freunde: Karotte) vor der Nase.

Aber ehrlich: Für all die Mühen wird man königlich belohnt. Kaiserwetter, Menschenleere Kanäle, null Algen und Schleusenwärter, die mich behandeln, als wäre ich der einzige Mensch weit und breit. Heute liege ich irgendwo zwischen Saverne und Lutzelbourg – klingt nach einem Krimi, fühlt sich aber wie Urlaub an. Morgen wartet das Hebewerk Arzviller – oder ich warte auf das Hebewerk, je nachdem, wie viel Lust ich morgens auf Abenteuer verspüre.

Fazit zur angeblich „qualvollen“ Überführungsfahrt? Alles Quatsch. Mit der richtigen Portion Humor und einem gut gekühlten Ziel vor Augen wird sogar Zeitdruck zum Vergnügen. Wer’s nicht glaubt, schaut einfach in die Bildergalerie – die erzählt die ganze Geschichte. Nur ohne Muskelkater.

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