Montagabend in New York City. Wir beschliessen, der Bordküche untreu zu werden. Im Guide Michelin finden wir das traditionsreiche Gallagher’s Steakhouse (seit 1927), ein Tempel der amerikanischen Küche.
Auf dem Schiff herrscht europäische Disziplin: sieben Mahlzeiten am Tag (Frühstück, Kraftbrühe- und Kaltschale um 11.00 Uhr, Mittagessen, Kaffee- und Kuchenstunde, Abendessen, Late Night Snack und Wiener Würstchen um Mitternacht). Aber alles in moderaten Portionen, dazu vegan, vegetarisch, glutenfrei; die ganze Klaviatur. Erst kürzlich erklärt uns der Hoteldirektor, man esse heute bewusster, leichter, gesünder. Klingt vernünftig.
Dann öffnet sich im Gallagher die Tür und neben dem Eingang grinst uns ein Fleischlager an, das jedem Vegetarier die Fluchtreflexe trainiert. Wir sind vorbereitet: Rinderfilet (die „kleine“ Variante) und Kalbskotelett parmigiana, dazu Spinat und Broccoli. Klassisch, bodenständig, amerikanisch.
Was dann kommt, ist kein Essen, es ist eine Machtdemonstration. Das Filet reicht locker für zwei. Das Kotelett ebenfalls. Die Beilagen gross genug, um eine Kleinfamilie durch den Winter zu bringen. Wir starren kurz, lachen dann; und kapitulieren später. Qualität top, keine Frage, aber irgendwann winkt selbst der beste Appetit ab.
Ein Blick nach links und rechts: gleiche Szene. Halbvolle Teller gehen reihenweise zurück in die Küche. Fertig gegessen ist absolute Rarität. Man fragt sich unweigerlich, ob „Foodwaste“ hier eher als Fremdwort gilt, oder ob noch immer für Handwerkerportionen von 1927 gekocht wird.
Kaum sind die Teller weg, landet die Rechnung auf dem Tisch. Und plötzlich ergibt das Ganze Sinn: 300 Dollar für Essen und zwei Gläser Wein. Vielleicht sind die Portionen gar kein Versehen, sondern eine Art kulinarische Versicherung. Wer so viel zahlt, soll wenigstens nicht hungrig gehen.
Der zweite Tag in New York gilt der Enddeckung des Central Park und der Museumsschiffe USS Intrepid (CV-11) und USS Growler (SSG-577).


