Für weitere Bilder oben klicken
Die Hamburger Zombeck-Bunker sind zivile Luftschutztürme aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Sie wurden nicht als militärische Gefechtsstände errichtet, sondern sollten Passanten und Reisende bei Luftangriffen schnell aufnehmen. Besonders bekannt ist der 1940 errichtete Turm an der Strasse Vorsetzen, zwischen Baumwall und Landungsbrücken.
Benannt ist der Bunkertyp nach dem Dortmunder Konstrukteur Paul Zombeck, der ihn 1937 patentieren liess. Zwischen 1939 und 1941 entstanden in Hamburg insgesamt elf dieser standardisierten Luftschutztürme. Sie standen vor allem an Bahnhöfen, Brücken und anderen Verkehrsknotenpunkten. Wenn bei Fliegeralarm Züge und Strassenbahnen anhielten, konnten Reisende unmittelbar in den nächstgelegenen Turm flüchten.
Die Hamburger Bunker gehörten zum Typ B I. Sie sind jeweils rund 22,5 Meter hoch und besitzen einen Aussendurchmesser von etwa 12,2 Metern. Die Stahlbetonwände erreichen im unteren Bereich eine Stärke von ungefähr zwei Metern. Das kegelförmige Dach sollte auftreffende Bomben seitlich ablenken.
Äusserlich erinnern die Türme eher an mittelalterliche Wehrtürme als an moderne Bunker. Der Beton wurde mit rotem Klinker verkleidet, das Betondach mit gewöhnlichen Dachpfannen bedeckt. Diese Gestaltung sollte die Gebäude tarnen und ihnen zugleich ein beruhigendes, vermeintlich vertrautes Aussehen geben. Über manchen Eingängen befanden sich Reichsadler und Hakenkreuz; die nationalsozialistischen Symbole wurden nach Kriegsende entfernt.
Die Besonderheit liegt im Inneren. Statt einzelner Stockwerke besitzt der Turm eine stufenlose Rampe, die sich in fünfeinhalb Windungen spiralförmig um einen zentralen Kern legt. Die Rampe diente gleichzeitig als Zugangsweg und Aufenthaltsfläche. Im Mittelkern befanden sich Toiletten, Waschräume und technische Einrichtungen. Diese Konstruktion ermöglichte es, innerhalb kurzer Zeit viele Menschen ohne Engpässe durch Treppenhäuser aufzunehmen.
Offiziell waren die Türme für etwa 500 Schutzsuchende ausgelegt. Während der schweren Luftangriffe auf Hamburg drängten sich jedoch häufig nahezu doppelt so viele Menschen hinein. Die Bunker besassen Gasschleusen und Belüftungsanlagen und sollten Schutz vor Bombensplittern, Trümmern und Druckwellen bieten. Für längere Aufenthalte waren sie nur eingeschränkt geeignet.
Nach 1945 wurden zwei Hamburger Zombeck-Türme abgerissen; neun sind noch erhalten. Acht stehen unter Denkmalschutz. Einige dienen heute als Restaurant, Bar oder Tonstudio, andere stehen leer. Der Turm am Vorsetzen wird gastronomisch genutzt. Über seinem Eingang ist noch der Reichsadler erkennbar, während das Hakenkreuz entfernt wurde.
Die Zombeck-Türme erinnern heute an den Luftkrieg, den nationalsozialistischen Zivilschutz und die Erfahrungen der Hamburger Bevölkerung in den Bombennächten. Zugleich zeigen ihre unterschiedlichen Nachnutzungen, wie schwierig der Umgang mit den baulichen Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs bleibt.

