(D) Nürnberg. Reichsparteigelände 27.12.2012

27.12.2012 | Bunker

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Das ehemalige Reichsparteitagsgelände liegt im Südosten Nürnbergs am Dutzendteich. Von 1933 bis 1938 veranstaltete die NSDAP dort ihre jährlichen Reichsparteitage. Diese waren keine gewöhnlichen Parteiversammlungen, sondern sorgfältig inszenierte Propagandaspektakel mit Aufmärschen, Fahnenweihen, Reden und militärischen Vorführungen. Hunderttausende Teilnehmer sollten sich als Teil einer angeblich geschlossenen „Volksgemeinschaft“ erleben und bedingungslosen Gehorsam gegenüber Adolf Hitler zeigen.

Ab 1934 entwarf Albert Speer einen monumentalen Ausbau des Geländes. Die gewaltigen Bauten sollten die Macht und vermeintliche Dauerhaftigkeit des NS-Regimes demonstrieren. Zu den wichtigsten Anlagen gehörten:

  • das Zeppelinfeld mit der 370 Meter langen Haupttribüne,

  • die Kongresshalle für geplante Parteiversammlungen,

  • die rund zwei Kilometer lange Grosse Strasse als Aufmarschachse,

  • die Luitpoldarena für Massenappelle,

  • das nie ausgeführte Deutsche Stadion,

  • das nur teilweise errichtete Märzfeld für militärische Vorführungen.

Das Zeppelinfeld war der wichtigste Schauplatz. Dort marschierten Formationen der SA, SS, Hitlerjugend, des Reichsarbeitsdienstes und der Wehrmacht auf. Beim abendlichen „Appell der Politischen Leiter“ bildeten 130 senkrecht ausgerichtete Flakscheinwerfer den sogenannten Lichtdom. Diese Inszenierungen verbanden Architektur, militärische Ordnung, Musik und Licht zu einer überwältigenden Propagandakulisse. Geschichte von Zeppelinfeld und Zeppelintribüne

Während des Reichsparteitags von 1935 wurden die antisemitischen Nürnberger Gesetze verkündet. Das „Reichsbürgergesetz“ und das „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ beraubten jüdische Menschen ihrer staatsbürgerlichen Rechte und bildeten eine wichtige rechtliche Grundlage ihrer systematischen Ausgrenzung und Verfolgung. Die Nürnberger Gesetze

Mit Kriegsbeginn 1939 endeten die Reichsparteitage; zahlreiche geplante Bauten blieben unvollendet. Teile des Geländes wurden nun als Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter genutzt. Tausende Menschen starben dort durch Hunger, Krankheiten und Misshandlungen. Vom Bahnhof Märzfeld aus wurden ausserdem etwa 2.000 fränkische Juden in Ghettos und Vernichtungslager deportiert.

Im April 1945 besetzte die US-Armee das Gelände. Am 22. April veranstalteten amerikanische Soldaten vor der Zeppelintribüne eine Siegesparade und sprengten anschliessend das grosse Hakenkreuz über der Haupttribüne – ein symbolisches Bild für das Ende des Nationalsozialismus. Danach dienten Teile des Areals als Sport-, Lager- und Veranstaltungsflächen.

Seit 2001 befindet sich in der unvollendeten Kongresshalle das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Die erhaltenen Bauten werden bewusst nicht rekonstruiert oder verherrlicht, sondern als historische Quellen gesichert und erklärt. Heute ist das Gelände ein zentraler Lernort über nationalsozialistische Propaganda, Ausgrenzung und Gewaltherrschaft. Dokumentationszentrum Nürnberg

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