(D) Nürnberg. Reichsparteitagsgelände 04.06.2010

04.06.2010 | Bunker

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Das ehemalige Reichsparteitagsgelände am Nürnberger Dutzendteich gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Zeugnissen nationalsozialistischer Architektur und Propaganda. Teile des Areals waren ursprünglich ein beliebtes Naherholungsgebiet. Der Luitpoldhain entstand anlässlich der Bayerischen Landesausstellung von 1906. Bereits 1927 und 1929 veranstaltete die NSDAP hier Parteitage, bevor Adolf Hitler Nürnberg 1933 zur „Stadt der Reichsparteitage“ bestimmte. Die mittelalterliche Reichsstadt sollte eine historische Verbindung zwischen dem NS-Regime und dem alten Deutschen Reich vortäuschen.

Von 1933 bis 1938 fanden in Nürnberg jährlich mehrtägige Reichsparteitage statt. Sie waren keine gewöhnlichen Parteiversammlungen, sondern sorgfältig inszenierte Propagandaschauen mit Aufmärschen von SA, SS, Hitlerjugend, Reichsarbeitsdienst und Wehrmacht. Zeitweise kamen mehrere Hunderttausend Teilnehmer und Zuschauer in die Stadt. Fahnen, Uniformen, Musik, nächtliche Beleuchtung und streng geordnete Menschenmassen sollten Geschlossenheit, Disziplin und den angeblichen Rückhalt des Regimes demonstrieren.

Eine zentrale Rolle spielte das Zeppelinfeld mit der von Albert Speer entworfenen Haupttribüne. Von dort nahm Hitler die Aufmärsche ab. Besonders bekannt wurde der sogenannte „Lichtdom“, bei dem zahlreiche Flakscheinwerfer senkrechte Lichtsäulen in den Nachthimmel warfen. Der Reichsparteitag von 1934 wurde durch Leni Riefenstahls Propagandafilm Triumph des Willens weltweit bekannt.

Ab 1934 entwickelte Speer einen monumentalen Gesamtplan für das Gelände. Vorgesehen waren die Luitpoldarena, das Zeppelinfeld, die Kongresshalle, die zwei Kilometer lange Grosse Strasse, das Märzfeld für militärische Vorführungen und das gigantische Deutsche Stadion. Die hufeisenförmige Kongresshalle wurde von Ludwig und Franz Ruff geplant, blieb jedoch ebenso unvollendet wie das Märzfeld und das Deutsche Stadion. Die Architektur sollte den Einzelnen klein erscheinen lassen und zugleich Dauerhaftigkeit und absolute staatliche Macht verkörpern. Für die Grossbauten waren umfangreiche Granitlieferungen aus Steinbrüchen vorgesehen, in denen auch KZ-Häftlinge ausgebeutet wurden.

Die Reichsparteitage dienten zugleich der Verbreitung von Militarismus, Rassismus und Führerkult. Während des Parteitags im September 1935 wurden die sogenannten Nürnberger Gesetze verkündet. Sie entzogen jüdischen Deutschen grundlegende staatsbürgerliche Rechte und verboten Ehen und Beziehungen zwischen Juden und als „deutschblütig“ definierten Menschen. Damit schuf das Regime eine wesentliche rechtliche Grundlage für die systematische Ausgrenzung und spätere Verfolgung der jüdischen Bevölkerung.

Der für September 1939 geplante „Reichsparteitag des Friedens“ wurde wegen des unmittelbar bevorstehenden Angriffs auf Polen abgesagt. Während des Krieges verwandelten sich Teile des Geländes und das benachbarte Langwasser in einen umfangreichen Lagerkomplex für Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter. Gewalt, Deportationen und gezielte Tötungen gehörten auch zu dieser Phase der Geländegeschichte.

Nach der Einnahme Nürnbergs sprengten amerikanische Soldaten im April 1945 das grosse Hakenkreuz über der Zeppelintribüne. Danach wurden die Anlagen unterschiedlich genutzt: als Lager, Sportflächen, Wohn- und Freizeitgebiet sowie für Grossveranstaltungen. Seit 1973 stehen die baulichen Überreste unter Denkmalschutz. 1985 eröffnete eine erste historische Ausstellung in der Zeppelintribüne, 2001 folgte das Dokumentationszentrum im Nordflügel der Kongresshalle. Heute wird das rund vier Quadratkilometer grosse Areal als Erinnerungs- und Lernort erschlossen.

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