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La Coupole liegt zwischen Wizernes und Helfaut, etwa fünf Kilometer südlich von Saint-Omer und rund 180 Kilometer von London entfernt. Der monumentale Bunker wurde 1943 und 1944 von der deutschen Besatzungsmacht als geschützte Basis für die ballistische Rakete A4, propagandistisch „Vergeltungswaffe 2“ oder V2 genannt, errichtet. Die deutschen Tarnbezeichnungen lauteten „Bauvorhaben 21“ und „Schotterwerk Nordwest“.
Für den Standort sprach eine aufgelassene Kreidegrube, die den Bau unterirdischer Stollen erleichterte. Ausserdem lag das Gelände nahe einer Eisenbahnlinie, über die Raketen, Treibstoff und technische Ausrüstung herangebracht werden konnten. Ursprünglich sollte Wizernes als geschütztes Lager für bis zu 500 Raketen dienen. Nachdem der bei Watten gelegene V2-Bunker von Éperlecques durch alliierte Luftangriffe schwer beschädigt worden war, liess die Organisation Todt Wizernes zu einer vollständigen Vorbereitungs- und Abschussbasis ausbauen.
Das auffälligste Bauteil ist die gewaltige Stahlbetonkuppel, nach der die Anlage heute „La Coupole“ heisst. Sie besitzt einen Durchmesser von ungefähr 70 Metern und ist etwa fünf Meter stark. Die Kuppel wurde zunächst auf dem Gelände errichtet; anschliessend grub man das Erdreich darunter aus. Dadurch sollten die weiteren Bauarbeiten vor Bombenangriffen geschützt werden.
Unter der Kuppel war eine rund 33 Meter hohe zentrale Halle vorgesehen, in der die Raketen aufgerichtet, überprüft, betankt und mit dem Sprengkopf versehen werden sollten. Ein weitläufiges Stollensystem sollte Lager, Werkstätten, Generatoren, Unterkünfte, Büros, ein Krankenhaus und Anlagen zur Herstellung von flüssigem Sauerstoff aufnehmen. Von ursprünglich geplanten sieben Kilometern wurden jedoch nur etwa zwei Kilometer Tunnel fertiggestellt.
Die V2 sollten mit Zügen durch den Eisenbahntunnel „Ida“ in den Bunker gelangen. Nach Lagerung und Vorbereitung wären sie in senkrechter Stellung durch die beiden hohen Ausgangsstollen „Gustav“ und „Gretchen“ ins Freie transportiert worden. Die Starts sollten auf beweglichen Abschussplattformen ausserhalb des Bunkers erfolgen. La Coupole war daher keine unterirdische Abschussrampe im engeren Sinne, sondern eine bombensichere Lager-, Montage- und Vorbereitungsanlage mit unmittelbar anschliessenden Startplätzen.
Die Bauarbeiten wurden zwischen Oktober 1943 und Juli 1944 von der Organisation Todt geleitet. Neben deutschen Facharbeitern mussten französische Zwangsverpflichtete des Service du travail obligatoire und sowjetische Kriegsgefangene unter schweren Bedingungen auf der Baustelle arbeiten. Die geplanten Raketen sollten aus dem unterirdischen Mittelwerk beim Konzentrationslager Mittelbau-Dora geliefert werden, wo Tausende KZ-Häftlinge bei der V2-Produktion starben. La Coupole verbindet deshalb technische Raketenentwicklung unmittelbar mit Besatzung, Zwangsarbeit und dem nationalsozialistischen Lagersystem. Das französische Verteidigungsministerium bezeichnet den Bau auch wegen des Leidens der Zwangsarbeiter als Symbol der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Der französische Widerstand und die alliierte Luftaufklärung entdeckten die Bauarbeiten frühzeitig. Zwischen März und Juli 1944 wurde Wizernes im Rahmen der alliierten „Operation Crossbow“ sechzehnmal bombardiert. Herkömmliche Bomben konnten die Kuppel kaum beschädigen. Britische „Tallboy“-Bomben, die tief in den Boden eindrangen, zerstörten jedoch Teile des Steinbruchs, verschütteten die Ausgangsstollen und destabilisierten das unterirdische Gelände.
Am 28. Juli 1944 befahl Hitler die Einstellung der Arbeiten. Einen Monat später wurde die Anlage aufgegeben; am 5. September 1944 erreichten alliierte Soldaten das Gelände. La Coupole wurde niemals fertiggestellt und von hier wurde keine einzige V2 gestartet.
Nach dem Krieg blieb die Anlage jahrzehntelang verlassen. Seit 1997 beherbergt sie ein Geschichts- und Erinnerungszentrum. Die Ausstellungen behandeln die deutsche Besatzung Nordfrankreichs, Zwangsarbeit und Deportation, die V1- und V2-Waffen sowie den Übergang von der militärischen Raketentechnik zur Raumfahrt. Eine originale V2 unter der Betonkuppel bildet das zentrale Ausstellungsstück.

