Die nächsten zwei Tage verbringen wir wieder auf See. Von der letzten Sturmfahrt habe ich mich allerdings nur langsam erholt. Unsere Kabine trägt nicht gerade zur Genesung bei: Sie liegt ganz vorne im Schiff, genau dort, wo jede Welle einzeln vorbeikommt, um persönlich Hallo zu sagen. Selbst bei leichtem Seegang wird man hier gründlich durchgeschüttelt.
Die Vorstellung, dass das noch zwei Monate so weitergehen soll – inklusive Kap Horn und Atlantiküberquerung – erscheint wenig verlockend. Also steuern wir als Erstes die Kreuzfahrtberatung an. Nach einigem Hin und Her wird das Objekt der Begierde gefunden: eine Kabine ziemlich genau in der Mitte des Schiffs. Die Kreuzfahrtlogik ist einfach: Je höher das Deck, desto höher der Preis. Unsere neue Kabine liegt ein Stockwerk über der alten auf Deck 7 – und der Preis klettert artig mit nach oben. Aber was soll’s, mein Magen wird diese Entscheidung zu schätzen wissen.
Der Umzug entwickelt sich fast zu einer kleinen Gemeinschaftsaktion. Gefühlt ist das halbe Housekeeping beteiligt, jede Socke wird einzeln, dafür mit grosser Sorgfalt, in die neue Kabine getragen.
Am Nachmittag folgt der Praxistest. Das Ergebnis: ein Unterschied wie Tag und Nacht. Trotz Seegang bewegt sich hier erstaunlich wenig – und im Magen erst recht nicht.
Diesen Erfolg feiern wir standesgemäss: ganz oben im Schiff, ganz hinten im Heck, in der Pazifik Lounge Bar mit ein paar beschwingten Tanzschritten und der beruhigenden Gewissheit, dass sich diese nautische Investition gelohnt hat.
Der nächste Tag ist ein klassischer Bordtag. Eine Disziplin, in der man auf See erstaunlich schnell Routine entwickelt. Der Morgen beginnt sportlich im Fitnesscenter damit man anschliessend das gute Gefühl hat, sich das nächste Buffet redlich verdient zu haben.
Danach heisst es: Deckpanorama geniessen. Der Atlantik zieht gemächlich vorbei, der Horizont macht keine Hektik und man selbst auch nicht. Zum Mittagessen gesellt sich ganz selbstverständlich das dazugehörige Verdauungsschläfchen, eine maritime Tradition, die man keinesfalls unterschätzen sollte.
Am Nachmittag werden Reiseberichte geschrieben, während draussen weiterhin sehr professionell Wasser vorbeifliesst. Und am Abend freut man sich, ganz wie es sich für einen ordentlichen Bordtag gehört, auf die Show im Theater. Schliesslich muss man sich nach so einem anstrengenden Seetag ja auch einmal gut unterhalten lassen.


